[Buchrezension] Michel Bozikovic - Drift

23. September 2011

  








●   Autor: Michel Bozikovic
●   gebunden, 319 Seiten
●   Verlag: Tropen bei Klett-Cotta (www.klett-cotta.de)
●   ISBN: 978-3-608-50211-4
●   1. Auflage (August 2011)
●   Sprache: Deutsch 
●   Preis: 19,95 €
●   Bestellmöglichkeit hier


„Gerade von seiner Freundin getrennt, klaut der 19-jährige Julien das Auto seiner Mutter und fährt in einem Höllentrip an die Front in Kroatien. Er will seinem Leben einen Sinn geben oder ihm ein Ende setze. Jahre später interviewt ihn dazu der abgehalfterte Journalist Martin, der seine große Chance als Schriftsteller wittert.
Eine dunkle Wallfahrt ins ehemalige Jugoslawien.“

Der aus Zürich stammende Michel Bozikovic hat mit seinem Debüt-Roman „Drift“ ein Werk geschaffen, das unter die Haut geht. Dank Blogg dein Buch durfte ich dieses Werk kostenlos lesen und möchte euch das Buch nun in dieser Rezension etwas näher bringen.

Erzählt werden die Geschichten von zwei Männern, die unterschiedlicher nicht sein könnten, aber bei genauem Hinsehen doch sehr viele Gemeinsamkeiten aufweisen.
Ein Erzählstrang behandelt die Geschichte vom 19-jährigen Julien, der seinem Leben einen Sinn geben mchte und im Krieg für sein Heimatland Jugoslawien, in dem er allerdings nie gelebt hat, zu kämpfen. Er fährt mit dem Auto seiner Mutter an die Front und obwohl sogar die Soldaten ihn von seinem leichtsinnigen Vorhaben abhalten wollen, wird er schließlich Scharfschütze in einer Aufklärungseinheit.
Der zweite Erzählstrang handelt von Martin, dem drogenabhängigen Journalisten, der Juliens Geschichte aufschreiben und groß herausbringen möchte. Martin ist eine sehr labile Persönlichkeit und scheint in seinem Leben nicht sonderlich auf die Reihe zu bekommen. Er wurde von seiner großen Liebe Helena vor die Tür gesetzt und fühlt sich innerlich zerrissen. Das einzige, woran er noch glaubt, ist der Durchbruch als Schriftsteller.

Bozikovic hat es geschafft, diese Geschichten nicht nur durch einzelne Kapitel voneinander zu trennen, sondern auch stilistisch: Juliens Geschichte spiegelt schonungslos die Grausamkeiten des Krieges wieder und ist aus der „man“-Perspektive geschrieben. Das heißt, der Autor verwendet nicht den üblichen Erzählstil der dritten Person (z.B. er/sie denkt, ...), sondern verwendet Formulierungen wie „man denkt, ... Dadurch kann man sich als Leser sehr gut mit dem Geschehen identifizieren und sich in die Situation hineinversetzen, denn „man“ k
önnte man eben auch selbst sein.
Martins Geschichte wird in der oben genannten dritten Person geschildert. Dadurch schaut man Martin bei seinen Handlungen und Erlebnissen quasi zu und kennt zudem seine Gedanken und Gefühle.
Was ich noch positiv hervorheben möchte, ist die tolle Gestaltung des Buches: Ich kann gar nicht genau beschreiben, wieso es mir so gut gefällt. Vielleicht, weil mir so gute Umschlag-Gestaltungen im Buchladen selten über den Weg laufen - mir gefällt das Spiel mit der Schrift auf dem recht einfachen Hintergrund, der aus nur einem Bildelement besteht.

Fazit:
Zusammenfassend kann ich sagen, dass man sich an den Erzählstil, beziehungsweise die Kombination von zwei Geschichten mit zwei unterschiedlichen Erzählstilen, erst einmal gewöhnen muss. Hat man die „Gewöhnungsphase“ von etwa 50 Seiten aber erst einmal hinter sich, ist das Buch ein voller Genuss. Es ist so ein Buch, das auch noch nachdem man es zu Ende gelesen hat, im Kopf hängen bleibt. Es wirft viele Fragen auf, die ich mir so noch nie gestellt habe.
Und genau das erwarte ich von einem guten Buch!
Ich geben dem Buch 4,5 von 5 Sternen (ein halber Stern Abzug, aufgrund des anfangs etwas verwirrenden Erzählstils)




1 Kommentar:

  1. mal was ganz neues auf deinem Blog, aber gefällt mir gut, kann es ruhig öfter geben :)

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