Mein Studium | Kommunikationsdesign

7. Oktober 2013


Tadaaa, hier ist er endlich: Der langversprochene Post zu meinem Studium!
Immer wieder wurde ich in letzter Zeit zu meinem Studium gefragt, weil ich ab und an ein fertiges Projekt in meinen Wochenrückblicken zeige. Und auch ich selbst wollte schon länger mal über mein Studium berichten.
Ich habe es so lange vor mir hergeschoben, weil ich es besonders gut machen und bloß keine Fakten unterschlagen wollte. Nun schreibe ich einfach drauf los, das klappt sowieso immer am besten ;-)

Kurz vorweg: Ich bin inzwischen im 5. Semester und studiere an der Kunstschule Wandsbek in Bremen, eine private Berufsfachschule mit staatlicher Anerkennung (das heißt der Abschluss ist dem Bachelor gleichgestellt). Warum ich mich für eine private und damit natürlich auch teure Ausbildung entschieden habe, erfahrt ihr weiter unten.
Falls ihr Arbeitsproben und Impressionen sehen wollt, lege ich euch den flickr Account der Schule ans Herz.
Einige Arbeiten von mir findet ihr auf meiner Website. ;-)

Was ist Kommunikationsdesign?
Zuerst möchte ich aber mal kurz erklären, was Kommunikationsdesign denn überhaupt ist. Danach werde ich nämlich sehr oft gefragt, wenn ich erzähle, was ich studiere.
Viele von euch werden sicherlich den Begriff Grafikdesign kennen. Als Grafikdesigner hat man mit der Gestaltung von allen möglichen Druckerzeugnissen zu tun, der etwas abstraktere Begriff Kommunikationsdesign beschreibt ein etwas größeres Aufgabenfeld: Die Arbeit als Kommunikationsdesigners umfasst alle Arbeiten rund um die Gestaltung von Druckerzeugnissen und digitalen Medien, also Medien wie Foto, Film und Web. Es geht also um die Gestaltung von Dingen, durch die Kommunikation entsteht.
Alles in allem ein sehr umfassendes Aufgabenfeld, das sehr viel Abwechslung bietet und mich deshalb so sehr reizt.

Warum habe ich mich für die Kunstschule Wandsbek entschieden?
Ich wusste schon früh, in welche Richtung es bei mir beruflich gehen sollte. Deshalb habe ich schon nach der 10. Klasse eine Oberstufe besucht, die auf den Bereich Gestaltung und Multimedia spezialisiert ist (den Bremern unter euch wird die Wilhelm Wagenfeld Schule wahrscheinlich ein Begriff sein). Dort habe ich ganz normal mein Abi gemacht und mich ca. ab der 12. Klasse damit beschäftigt, einen Studienplatz zu finden. Ich bin auf Berufsmessen gegangen und habe mir an verschiedenen Universitäten und Hochschulen diverse Studiengänge angesehen, die im Bereich Gestaltung / Medien / Design liegen.
So, und warum musste es jetzt unbedingt die private und teure Kunstschule Wandsbek sein? Hört sich vielleicht banal an, aber ich habe mich dort am wohlsten gefühlt. Die Kunstschule Wandsbek ist verhältnismäßig klein und die Atmosphäre sehr familiär. Man kennt sich, duzt die Dozenten und ist nicht bloß eine "Nummer". In meinem Semester sind ca. 20 Leute, da kann man gar nicht anonym bleiben.

Hier in Bremen hätte ich natürlich auch an der HfK (Hochschule für Künste) studieren können und müsste deutlich weniger bezahlen (Studiengebühren gibt es ja aber trotzdem noch), aber mir persönlich war es dort zu "künstlerisch" - ich weiß gar nicht, wie ich das beschreiben soll und ich möchte die HfK auch gar nicht schlecht machen. Dem einen gefällt es dort besser, mir gefällt es an der Kunstschule Wandsbek besser. Es ist einfach bodenständiger, sehr viel berufsorientierter (wir bearbeiten "echte" Aufträge von Auftraggebern, die tatsächlich realisiert werden) und - ganz wichtig - strukturierter.
Womit wir auch schon beim nächsten Thema, dem Aufbau des Studiums wären:

Wie ist das Studium aufgebaut?
Der wohl wichtigste Grund dafür, dass meine Wahl auf die Kunstschule Wandsbek fiel, ist der Unterricht. Das für mich so einzigartige an dem Studiengang ist nämlich die Tatsache, dass so ziemlich jedes erdenkliche Aufgabengebiet behandelt wird.

Folgende Fächer gibt es:
Layout Grundlagen, Medienlabor, Künstlerische Lehre, Kalligrafie, Visuelle Kommunikation, Experimentelles Design, Illustration Grundlagen, Typografie, Digitale Mediengestaltung, Illustration Bildsprache, Corporate Design, Markertechnik, Digitaler Film, Text und Konzeption, Art Direction, Screendesign / Usability, Fotografie, 3D-Design, Produktdesign, Multimedia Design, Webdesign / Webpublishing, Motion Design, Editorial Design, Portfolio/Selfmarketing, Strategie und Konzeption, Einführung in die Berufspraxis, Prüfungskolloquium, Social Marketing, Werbung.

Wie ihr seht, eine ziemlich große Bandbreite. Manche Fächer gehen über ein Semester, manch andere über zwei Semester. Da ist es klar, dass man sich seine Schwerpunkte schnell selbst suchen muss, sonst geht man in Arbeit unter. Aber durch die vielen verschiedenen Fächer bekommt man einen sehr guten Einblick in die Aufgabenfelder eines Kommunikationsdesigners und lernt so seine Stärken und Schwächen kennen. Etwa ab dem 3. Semester wusste ich, wo die Reise hingehen sollte und konzentriere mich seitdem besonders stark auf die Projekte, die mir am Herzen liegen.

Insgesamt ist das Studium sehr schulisch aufgebaut, das heißt es gibt einen Stundenplan und jeden Tag hat man ein Fach. Außerdem bleibt man in der Gruppe während des gesamten Studiums zusammen, einen Klassenraum gibt es aber nicht :P 
Der Unterricht geht Montag - Freitag von 9:00 bis 14:00 oder von 14:30 bis 19:30. Man hat also 5 Stunden Anwesenheitspflicht, danach kann man in der Schule aber natürlich noch weiterarbeiten.
Erfahrungsgemäß reichen 5 Stunden täglich aber bei weitem nicht aus, um alle Projekte fristgerecht fertigzustellen ;-)
Achja: Es gibt keine Klausuren, dafür aber massig umfangreiche Projekte, die abgegeben werden müssen. Der Anspruch steigt natürlich von Semester zu Semester.

Wichtige Fakten:
  • Studium über 7 Semester
  • Zwischenprüfung am Ende des 4. Semesters
  • Abschlussprüfung am Ende des 7. Semesters
  • Abschluss: Staatlich anerkannte/r Kommunikationsdesigner/in (dem Bachelor gleichgestellt)
  • Dozenten kommen aus den Berufen, die gelehrt werden
  • Voraussetzung: Realschulabschluss, Fachabitur oder Abitur
  • Mindestalter: 18 Jahre
  • Aufnahmegespräch mit einer Portfolio-Mappe, die 15-20 Arbeiten beinhalten sollte
  • Materialkosten müssen selbst getragen werden

Wie finanziere ich das Ganze?
Ich möchte mit offenen Karten spielen: Das Studium ist arschteuer und ich bin so dankbar, dass ich das machen darf. Es macht mir extrem viel Spaß und ist genau das, was ich machen wollte.
Ich habe das Glück, dass ich Geld von meinem Großvater geerbt habe. Er meinte immer, ich solle es in meine Ausbildung investieren und genau das habe ich getan. Wäre dieses Geld nicht da, könnte ich schlicht und ergreifend nicht dieses Studium finanzieren.
Monatlich bezahle ich 395 € für mein Studium. Und das ist es mir wert.
Zusätzlich besteht die Möglichkeit, SchülerBAföG zu bekommen (weil es sich um eine BerufsfachSCHULE handelt), das muss man nicht zurückbezahlen. Wieviel BAföG man tatsächlich bekommt, hängt vom Einkommen der Eltern ab.
Außerdem ist die Studienzeit so gelegt, dass man nebenher sehr gut arbeiten gehen kann (so wie ich). Trotzdem ist mir klar, dass es keine Selbstverständlichkeit ist, sich solch ein Studium leisten zu können.

Und nach dem Studium?
Entweder arbeiten gehen oder noch einen Master dranhängen.
Durch den sehr praxisorientierten Unterricht und die teilweise realen Aufträge wird man eigentlich optimal auf die Berufswelt vorbereitet. Man kann in diversen Tätigkeitsfeldern Fuß fassen, beispielsweise in Werbeagenturen, Verlagen, Werbe- oder Marketingabteilungen von Unternehmen, PR-Abteilungen, aber auch Fotografie, Film und Illustration sind mögliche Berufsaussichten.
Meiner Meinung nach bereitet das Studium eher auf einen Beruf im Angestellten-Verhältnis vor, als auf eine Selbstständigkeit - das heißt aber natürlich nicht, dass das ausgeschlossen ist.
Die Berufsaussichten sind gut bis sehr gut - viele Agenturen suchen derzeit jungen Nachwuchs. Durch den Unterricht bei Dozenten, die aus dem Beruf kommen, kann man außerdem bestens Kontakte für einen späteren Beruf knüpfen. Ich habe beispielsweise vor Kurzem mein erstes Job-Angebot in einer Werbeagentur bekommen.
Wer noch nicht bereit für den Berufsalltag ist, oder einfach noch tiefer in die Materie abtauchen will, der kann noch einen Master an einer der Partneruniversitäten dranhängen.

Kann ich das Studium empfehlen?
Wenn du Begeisterung für Design / Gestaltung mitbringst und bereit bist, dich teilweise von morgens bis abends und notfalls auch nachts mit einem Projekt zu beschäftigen - JA, unbedingt! Dir muss klar sein, dass du teilweise stundenlang am PC sitzen wirst und Nächste durcharbeiten wirst.
Und natürlich wird nicht jedes Projekt super - du musst viel Kritik von den Dozenten einstecken können und einfach weitermachen, wenn du denkst, es geht nicht mehr weiter.
Aber dieses Gefühl, wenn man die fertige Arbeit aus der Druckerei abholt und die monatelange Arbeit endlich in den Händen hält, ist unbeschreiblich!
Mein einziger Kritikpunkt: Da man so viele verschiedene Aufgabenbereiche kennenlernt, bleibt manchmal zu wenig Zeit, um sich intensiv mit einem Projekt zu beschäftigen. Manchmal hätte ich in einige Projekte gerne mehr Zeit investiert und andere dafür gerne weg gelassen. In diesem Punkt hat man an einer klassischen Universität natürlich mehr Freiräume.

Kurzum: Wenn du nicht dafür brennst, lass es! Es wäre herausgeschmissenes Geld.

Kommentare:

  1. dankr für die sehr interessante und hilfreiche vorstellung. auch wenn ich bereits etwas anderes studiere habe ich sie trotzdem gerne gelesen.

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  2. Das war sehr interessant zu lesen, auch wenn es für mich nichts wäre. Aber ist toll das zu wissen. Ich würde selber sehr gerne Abi machen und studieren, aber da ich eine kleine Tochter habe, muss ich erstmal schauen. Ich weiß auch noch lange nicht in welcher Richtung es für mich gehen sollte und wo

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  3. Hey :) ich verfolge dein Blog schon etwas länger und nun hab ich mir endlich mal vorgenommen dir zu schreiben! Gehöre sonst eher zu den "Stillen-Lesern".
    Ich find dein Beitrag echt toll - ich komme auch aus der Nähe von Bremen und habe tatsächlich auch mein Fachabi an der Wilhelm-Wagenfeld-Schule gemacht! Hab auch einige Zeit überlegt auf die Kunstschule Wandsbek zu gehen, aber das Geld hat mich letztendlich doch davon abgehalten. Ich bin jetzt in der sozialen Schiene gelandet, weil ich glaube mein künstlerisches Talent hält sich eher in Grenzen - haha. Im Gegensatz zu dir - ich finde deine Website toll, du hast sooo großes Talent! wirklich toll! wünsche dir noch weiterhin viel erfolg :)

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    1. Vielen, vielen Dank für deinen lieben Kommentar!
      Na dann mal ein "Hallo" an dich, freut mich, dass sich die "stillen" Leser auch mal melden :)
      Du hast recht, es ist wirklich sehr kostspielig, das muss man sich echt gut überlegen. Ich hoffe, in deinem jetzigen Studium/Beruf (?) gefällt es dir trotzdem.
      Alles Liebe für dich! :)

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  4. Ich muss sagen, dein Studium finde ich, ich bin gerade selber überrascht, super interessant. Da ich noch alle Wege offen habe (bin noch in der Schule) werde ich es noch mal überdenken, aber ich glaube ich wäre für deinen Studiengang etwas zu wenig kreativ..

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  5. Vielen vielen Dank für diesen tollen Beitrag! Ich freue mich sehr über deinen informativen Beitrag und freue mich umso mehr auf das Studium. Nachdem ich meinen Traum-Studiengang immer vor mir hergeschoben habe und nur die zweite Wahl genommen habe, habe ich mich endlich dazu durchgerungen meinen Traum durchzuziehen. Momentan arbeite ich noch an meinen Mappen, aber werde dann im nächste Wintersemester anfangen. Hopefully. Ich freue mich so.
    Liebe Grüße,
    Sarah

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    1. Yeah, das freut mich für dich! :) Ganz viel Spaß wünsche ich dir schonmal!!
      Man sollte doch immer das machen, wofür das Herz schlägt.
      Fängst du in Hamburg oder in Bremen an?

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  6. OMG! Ich schaue jeden Tag auf deinem Blog vorbei und du gehst auf die Berufsfachschule in Wandsbek ganz in der Nähe von mir :D

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    1. Da muss ich dich leider enttäuschen - die Kunstschule Wandsbek gibts auch hier in Bremen und da gehe ich hin :D

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  7. Sehr sehr interessant, das wäre auch ein Studiengang für mich! ♥
    Liebe Grüße

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  8. Das war wirklich ein toller Einblick in deinen Alltag! Wir haben in der Firma auch zwei Designerinnen (aus Unkenntnis halt ich mich jetzt mal zurück, in welchem Bereich die sich spezialisiert haben) und ich find es auch da immer ganz spannend zu hören, woran die arbeiten und wie's in der Ausbildung war.
    Gerade den praktischen Teil mit echten Aufträgen halte ich für sehr, sehr wichtig, weil man dann ein Gespür für Kunden bekommt und sich richtig beweisen muss.
    Das Geld ist natürlich echt happig, aber wenns am Ende passt, ist es das wert. Letztlich macht man sowas nur einmal und wenn man sich sicher ist, dass es da sein soll, sollte mans auch mitnehmen :)

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  9. Vielen Dank für den ausführlichen Post! Ich habe ihn mit Begeisterung gelesen, man merkt, dass du für dein Studium brennst. Ich muss ehrlich sagen, dass ich niemals etwas gemacht hätte, wo ich so viel Geld für meine Bildung investieren muss und auch nichts, wo ich danach dann "voll viel" machen kann :D Ich bin ja Lehrerin und fand es sehr gut, dass ich mit 18 einfach schon wusste, dass ich, wenn ich fertig bin, dann Lehrerin bin. Und nicht in tausend Richtungen streben kann und dann vielleicht nichts finde, was mir gefällt. Von daher meinen großen Respekt an dich, dass du so einen tollen Job ergriffen hast. Ich finde das persönlich sehr mutig!

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  10. Finde deine Ehrlichkeit und Mut super! :)

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  11. Ich habe Deinen Post auch mit großer Begeisterung gelesen, da ich so etwas gerne noch auf meine Ausbildung draufsetzen würde. Sagt Dir die Academy of Visual Arts etwas? Das ist eine Hochschule mit den Schwerpunkten Grafik Design, Illustration, Fotografie, Editorial Design, Textil Design, Kommunikation im Raum, Interaktive Medien und Film/Video :-) Ich finde das total interessant und dein Beitrag hier hat mir echt noch einige Informationen geliefert, die für mich hilfreich waren!

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  12. Hey, ich bin gerade dabei mein Abitur zu machen und ich muss einen Portfolio im Grundkurs erstellen. Der Kurs heißt Studium und Beruf. Wir sollen über einen Studiengang präsentieren und ich habe mich für Kommunikationsdesign entschieden. Wir sollen unter anderem einen Interview führen mit jemandem, der diesen Studiengang studiert. Würde es dir etwas ausmachen wenn ich ein paar Informationen aus diesen Blogpost in meine Mappe hinzufügen würde? :D

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  13. Hey :)
    Ich beginne auch dieses Jahr an der Kunstschule in Bremen und finde deine Beschreibung wahnsinnig toll! Dadurch freue ich mich nur noch um so mehr auf das Studium!
    Ist es sehr schwierig alles geregelt zu bekommen?
    Job (->Geld), Studium und allgemein deine Zeit?
    Bleibt die viel Zeit noch für Freunde und Sport?
    Ganz liebe Grüße
    Juli :)

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